FREMDSPRACHIGE FAMILIENNAMEN

UNTER DEN HEUTIGEN FAMILIENNAMEN FREMDSPRACHIGER HERKUNFT SIND DIE SLAWISCHEN FAMILIENNAMEN AM STÄRKSTEN VERTRETEN. SIE STAMMEN AUS VERSCHIEDENEN SLAWISCHEN SPRACHEN, HABEN ZU UNTERSCHIEDLICHEN EPOCHEN EINGANG IN DEN FAMILIENNAMENSCHATZ GEFUNDEN UND SIND DAHER IN UNTERSCHIEDLICHEM MAß EINGE-DEUTSCHT WORDEN. FAMILIENNAMEN SORBISCHER HERKUNFT SIND IN DER OBER- UND NIEDERLAUSITZ HEIMISCH, SOLCHE POLABISCHER (WENDLÄNDISCHER) HERKUNFT IN MECKLENBURG-VORPOMMERN. EINE WEITERE SCHICHT SLAWISCHER FAMILIENNAMEN STAMMT AUS DEN GEBIETEN DER MITTELALTERLICHEN OSTSIEDLUNG, ETWA AUS POMMERN, SCHLESIEN, BÖHMEN, MÄHREN. EINE SPÄTERE SCHICHT GEHT AUF DEN STARKEN ZUSTROM POLNISCHER UND TSCHECHISCHER BERGARBEITER INS RUHRGEBIET UND INS ÖSTLICHE DEUTSCHLAND IN DER ZWEITEN HÄLFTE DES 19. JH. ZURÜCK. EINGEWANDERTE ARBEITNEHMER UND AUSSIEDLER HABEN IN DEN LETZTEN JAHREN WEITERE SLAWISCHE (SERBISCHE, BOSNISCHE, KROATISCHE BZW. POLNISCHE, RUSSISCHE) FAMILIENNAMEN NACH DEUTSCHLAND GEBRACHT. IN ÖSTERREICH GIBT ES VIELE TSCHECHISCHE FAMILIENNAMEN, DANEBEN KOMMEN AUCH FAMILIENNAMEN SLOWENISCHER HERKUNFT VOR. ETWA EIN VIERTEL DER Z. ZT. IN WIEN VORKOMMENDEN FAMILIENNAMEN SIND TSCHECHISCHEN URSPRUNGS.

BEI DEN SLAWISCHEN FAMILIENNAMEN BEGEGNEN UNS DIE GLEICHEN FAMILIENNAMENGRUPPEN WIE BEI DEN DEUTSCHEN: FAMILIENNAMEN AUS RUFNAMEN, FAMILIENNAMEN NACH DER HERKUNFT, FAMILIENNAMEN NACH DER WOHNSTÄTTE, FAMILIENNAMEN NACH DEM BERUF UND FAMILIEN-NAMEN AUS ÜBERNAMEN.

DIE ALTEN SLAWISCHEN RUFNAMEN SIND - WIE AUCH DIE ALTDEUTSCHEN RUFNAMEN - AUS ZWEI NAMENGLIEDERN ZUSAMMENGESETZT. SO LIEGT Z. B. DEM RUF- UND FAMILIENNAMEN BOGDAN URSLAW. *BOG'GOTT' + DAN (ZU URSLAW. *DATI 'GEBEN') ZUGRUNDE. INSGESAMT HABEN ZWEI-GLIEDRIGE RUFNAMEN NUR EINEN GERINGEN ANTEIL AM SLAWISCHEN FAMILIENNAMENSCHATZ ERLANGEN KÖNNEN, DA IHRE HÄUFIGKEIT ZUR ZEIT DER FAMILIENNAMENENTSTEHUNG BEREITS STARK ZURÜCKGEGANGEN WAR. KURZ- UND KOSEFORMEN BLIEBEN LÄNGER IN GEBRAUCH, DAHER BEGEGNEN SIE UNS HÄUFIGER ALS FAMILIENNAMEN. DIE VIELFALT DER KOSEFORMEN HÄNGT MIT DER GROßEN ANZAHL DER IN DEN EINZELNEN SLAWISCHEN SPRACHEN ZUR VERFÜGUNG STEHENDEN SUFFIXE (-AK, -EK, -IK, -AŠ, -IŠ, -OŠ, -UŠ, -KA, -AN,-ON, -UN U. A.) ZUSAMMEN. VON DEM ERSTEN GLIED DES RUFNAMENS BORISLAV (URSLAW. *BORTI 'KÄMPFEN' + URSLAW. *SLAVA 'RUHM, EHRE') LEITEN SICH Z. B. FAMILIENNAMEN WIE BOHR, BOHRISCH, BORACK, BORE(C)K AB. DAS NAMENGLIED BOR- KONNTE ZU BO- VERKÜRZT WERDEN UND WIEDERUM DIE GRUNDLAGE VON KOSEFORMEN BILDEN.

DA DIESER KÜRZUNGSVORGANG AUCH BEI BOGUSLAV (URSLAW. *BOG 'GOTT' + URSLAW. *SLAVA 'RUHM, EHRE) ODER BOLESLAV (URSLAW. *BOL'E 'MEHR' + URSLAW. *SLAVA 'RUHM, EHRE') ERFOLGEN KONNTE, LASSEN SICH KOSEFORMEN WIE BOCH, BOSCHAN (< BOŠAN) NICHT MEHR EINDEUTIG EINEM BESTIMMTEN RUFNAMEN ZUWEISEN.

SEHR ZAHLREICH SIND DIE AUS SLAWISCHEN FORMEN CHRISTLICHER RUFNAMEN ENTSTANDENEN FAMILIENNAMEN. AUS UNVERKÜRZTEN FORMEN CHRISTLICHER RUFNAMEN LEITEN SICH FAMILIENNAMEN WIE POLN., TSCHECH. ABRAMEK, POLN., TSCHECH. ADAMEK, POLN. ADAMCZYK, ADAMSKI, SORB. MICHALK, SERB., BOSN., KROAT. FILIPOVIC, JOVANOVIC, PAVLOVIC AB. AUF VERKÜRZTE FORMEN VON JOHANNES GEHEN FAMILIENNAMEN WIE HANAK, HANISCH, HANUSCH, JANIK, JANKA, JANOSCH, JANUSCH ZURÜCK. DEN FAMILIENNAMEN MASCH(KE) UND PASCH(KE) KANN SOWOHL EIN SLAWISCHER ALS AUCH EIN CHRISTLICHER RUFNAME ZUGRUNDE LIEGEN. FÜR MASCH(KE) KOMMT NEBEN EINER ABLEITUNG VON EINEM SLAWISCHEN RUFNAMEN WIE MALOMIR AUCH EINE ABLEITUNG VON MATTHÄUS, MATTHIAS, MARKUS, MARTIN ODER THOMAS IN FRAGE. BEI PASCH(KE) KANN ES SICH UM ABLEITUNGEN VON DEM SLAWISCHEN RUFNAMEN PAKOSLAV ODER VON DEM CHRISTLICHEN RUFNAMEN PAUL HANDELN. AUS SLAWISCHEN FORMEN DEUTSCHER RUFNAMEN SIND FAMILIENNAMEN WIE GERASCH (< GERHARD) ODER HEINISCH (< HEINRICH) HERVORGEGANGEN.

UNTER DEN FAMILIENNAMEN SLAWISCHEN URSPRUNGS FINDEN SICH AUCH HERKUNFTSNAMEN. MIT DEM SUFFIX -SKI KANN DIE ZUGEHÖRIGKEIT ZU EINEM ORT BZW. ZU EINER PERSON ZUM AUSDRUCK GEBRACHT WERDEN. SORBISCHE FAMILIENNAMEN AUF -SKI SIND SELTEN. HERKUNFTSNAMEN AUF -SKY (DT. > -SKY) KOMMEN IM TSCHECHISCHEN VOR (Z. B. DUBSKY 'DER AUS DUB, DUBÁ, DUBY'). IM POLNISCHEN DIENTE DAS SUFFIX -SKI URSPRÜNGLICH ZUR BILDUNG VON ADLIGEN FAMILIENNAMEN NACH DER HERKUNFT BZW. NACH DEM BESITZ. WEGEN DES IHM ANHAFTENDEN PRESTIGES WURDE -SKI SPÄTER ZUNEHMEND ZUR ABLEITUNG BÜRGERLICHER FAMILIENNAMEN VERWENDET UND ENTWICKELTE SICH ZU EINEM TYPISCHEN BILDUNGSELEMENT POLNISCHER FAMILIENNAMEN. EIN FAMILIENNAME WIE DOMBROWSKI WEIST AUF EINE HERKUNFT AUS DEN POL-NISCHEN ORTEN DABROWA, DBRÓWKA U. Ä.. HIN. BEI DEM FAMILIENNAMEN BOGUSLAWSKI (DT. > BOGUSLAWSKI) KANN ES SICH SOWOHL UM EINEN HERKUNFTSNAMEN ZU POLNISCHEN ORTSNAMEN WIE BOGUSLAWICE, BOGUSLAWKI ALS AUCH UM EINE PATRONYMISCHE BILDUNG ('SOHN DES BOGUSLAW') HANDELN.

FAMILIENNAMEN WIE KOPETZ (ZU TSCHECH. KOPEC 'HÜGEL'), NAGORKA (ZU NSORB., POLN. NA 'AUF, AN' UND NSORB., POLN. GÓRKA 'HÜGEL, ANHÖHE'), NAKONZ (ZU OSORB. KÓNC, NSORB. KÓNC 'ENDE': 'WOHNHAFT AM ENDE [DES DORFES]') SIND DURCH EIN MERKMAL DER WOHNSTÄTTE MOTIVIERT.

AUF DIE BERUFLICHE TÄTIGKEIT, DAS BEKLEIDETE AMT BZW. DIE GESELLSCHAFTLICHE STELLUNG WEISEN VIELE FAMILIENNAMEN HIN: Z. B. BEDNARZ (POLN. BEDNARZ 'BÖTTCHER'), HAJNY (TSCHECH. HAJNY 'WALDHEGER'), KALZ (SORB. TKALC, NSORB. MDA. AUCH KALC '(LEIN-)WEBER'), KOWAL (POLN., NSORB., KOWAL, TSCHECH. (MDA.) KOVAL 'SCHMIED'), KRAWIEC (POLN. KRAWIEC 'SCHNEIDER'), LEHNICK (NSORB., OSORB. LENIK 'LEHENSMANN, LEHNGUTSBESITZER'), PEKAR (TSCHECH. PEKAR' BÄCKER'), SCHUPPAN (NSORB. ZUPAN 'VORSTAND DER BIENEN-ZÜCHTER', OSORB. ZUPAN 'GAUGRAF, GAUVORSTEHER'), STAROSTA (OSORB., POLN., TSCHECH. STAROSTA 'DORFÄLTESTER, GEMEINDE-, DORFVORSTEHER'), WITSCHAS (OSORB. [ÄLTER] WICAZ 'FREIBAUER, LEHNBAUER, LEHNGUTSBESITZER'), WOSNITZA (POLN. WOZNICA 'FUHRMANN, KUTSCHER').

DIE GRUPPE DER ÜBERNAMEN IST SEHR ZAHLREICH VERTRETEN. AUF KÖRPERLICHE BZW. ÄUßERLICHE MERKMALE DES ERSTEN NAMENSTRÄGERS BEZIEHEN SICH FAMILIENNAMEN WIE BIALEK (ZU POLN. BIALY 'WEIß'), BRODA (NSORB., OSORB., POLN. BRODA 'BART'), MALY (NSORB., OSORB., POLN. MALY, TSCHECH. MALYZ 'KLEIN'), NOSSA(C)K (SORB. NOSAK, TSCHECH. NOSÁK 'DER GROßNASIGE'), NOSSEK (POLN., TSCHECH. NOSEK 'NÄSCHEN'), TSCHERNIK, TSCHERNY (ZU OSORB.(ALT) *CERNY, TSCHECH. CERNY 'SCHWARZ'). EINEN HINWEIS AUF DIE WESENSART BZW. VER-HALTENSWEISE ENTHALTEN FAMILIENNAMEN WIE HYTRY (POLN. CHYTRY, TSCHECH. CHYTRY'SCHLAU'), MUDRA, MUDRA(C)K (ZU NSORB., OSORB. MUDRY 'WEISE'), POKORNY (POLN. POKORNY, TSCHECH. POKORNY 'DEMÜTIG, UNTERTÄNIG, BESCHEIDEN'), TICHY (TSCHECH. TICHY 'STILL, RUHIG, LEISE'), WESSELY (OSORB. [ÄLTER] WJESELY, TSCHECH. VESELY 'FROH, LUSTIG').

VIELEN ÜBERNAMEN LIEGT EINE TIER- ODER VOGELBEZEICHNUNG ZUGRUNDE. ALS MOTIVATION FÜR DEN BILDLICHEN VERGLEICH KOMMEN ÄUßERLICHE UND CHARAKTERLICHE MERKMALE SOWIE GELEGENTLICH EINE ANSPIELUNG AUF DIE BERUFLICHE TÄTIGKEIT DES BENANNTEN IN FRAGE. ZU DIESER GRUPPE GEHÖREN FAMILIENNAMEN WIE BARAN (NSORB., POLN. BARAN, OSORB. BORAN 'WIDDER, SCHAFBOCK'), HOLUB (TSCHECH. HOLUB 'TAUBE'), KOHOUT (TSCHECH. KOHOUT 'HAHN'), KOTZUR (POLN. KOCUR, NSORB. KÓCUR, KÓCOR, ALTTSCHECH. KOCÚR 'KATER'), SOKOLL (POLN. SOKÓL, TSCHECH. SOKOL 'FALKE'), SOWA (NSORB., OSORB., POLN. SOWA, TSCHECH. SOVA 'EULE'), SROKA (NSORB., OSORB., POLN. SROKA 'ELSTER'), WROBEL (POLN. WRÓBEL, NSORB. (W)ROBEL, OSORB. WROBL 'SPERLING'). EINE WICHTIGE ROLLE SPIELT DAS NAMENGEBUNGSMOTIV 'NEUANKÖMMLING, NEUER DORFBEWOHNER' BEI DER BILDUNG VON ÜBERNAMEN IN DEN WESTSLAWISCHEN SPRACHEN: NOWA(C)K, NOWOTNICK, NOWOTNY, NOWY U. A. IM DEUTSCHEN SIND FAMILIEN-NAMEN WIE NEUMANN, NAUMANN, NIEMANN, NEUKAMM, NEUKOMM AUS DER GLEICHEN MOTIVATION HERVORGEGANGEN. CHARAKTERISTISCH FÜR DAS TSCHECHISCHE SIND ÜBERNAMEN AUF -IL, -AL, DENEN EINE PARTIZIPFORM ZUGRUNDE LIEGT. SIE BEZIEHEN SICH AUF EINE AUFFÄLLIGE ODER GEWOHNHEITSMÄßIGE HANDLUNG DES ERSTEN NAMENS-TRÄGERS: DOKOUPIL (ZU TSCHECH. DOKOUPIT 'DAZUKAUFEN': 'ER HAT DAZUGEKAUFT'), DOLEZAL, DT. DOLESCHAL(L), DOLEZAL (ZU TSCHECH. DOLEZAT, DOLEZET '(ZU LANGE) LIEGEN': 'ER HAT (ZU LANGE) GELEGEN'), NAVRÁTIL, DT. NAVRATIL (ZU TSCHECH. NAVRÁTIT 'ZURÜCKGEBEN':'ER HAT ZURÜCKGEGEBEN' ODER ZU TSCHECH. NAVRÁTIT SE 'ZURÜCKKEHREN': 'ER IST ZURÜCKGEKEHRT'), POSPISIL, DT. POSPISCHIL (ZU TSCHECH. POSPÍSIT 'EILEN': 'ER IST GEEILT').

LITAUISCHE FAMILIENNAMEN WAREN URSPRÜNGLICH IN OSTPREUßEN VERBREITET. HIERBEI HANDELT ES SICH MEIST UM PATRONYMISCHE BIL-DUNGEN MIT DEN SUFFIXEN -ATIS, -AT, -EIT, -UHN: ADOMATIS (ZU ADAM), ENDRIKAT (ZU ANDREAS), ABROMEIT (ZU ABRAHAM), STEPPUHN (ZU STEPHAN). DIE FAMILIENNAMEN KALLWEIT/KALWEIT GEHEN AUF DIE LITAUISCHE BEZEICHNUNG FÜR DEN SCHMIED ZURÜCK, BEI GERULL LIEGT EIN ÜBERNAME ZU LIT. GERAS "GUT, GÜTIG, GUTER MENSCH" + SUFFIX -ULIS VOR.AUS HISTORISCHEN GRÜNDEN - UNGARN GEHÖRTE BIS ZUM AUSGANG DES ERSTEN WELTKRIEGS ZUR HABSBURGISCHEN MONARCHIE - SIND UNGARISCHE FAMILIENNAMEN IM ÖSTERREICHISCHEN FAMILIEN-NAMENSCHATZ VERTRETEN. AUCH IN DEUTSCHLAND KOMMEN FAMILIENNAMEN UNGARISCHER HERKUNFT VOR: Z. B. FARKAS ("WOLF"), GÁBOR (< GABRIEL), KOVÁCS ("SCHMIED"), MOLNÁR ("MÜLLER"), NAGY ("GROß"), SÁNDOR (< ALEXANDER), SZABÓ ("SCHNEIDER"), VARGA ("HERSTELLER VON STIEFELN"). FRANZÖSISCHE FAMILIENNAMEN KOMMEN IM DEUTSCH-FRANZÖSISCHEN KONTAKTRAUM VOR. AUßERHALB DIESES GEBIETS GEHEN FRANZÖSISCHE FAMILIENNAMEN GRÖßTEN-TEILS AUF DIE CA. 30.000 HUGENOTTENFAMILIEN ZURÜCK, DIE 1685 NACH DER AUFHEBUNG DES EDIKTS VON NANTES, DAS IHNEN DIE AUSÜBUNG DES PROTESTANTISCHEN GLAUBENS GESTATTET HATTE, FRANKREICH VERLASSEN MUSSTEN. IN DEUTSCHLAND FANDEN DIE HUGENOTTEN VOR ALLEM IN BRANDENBURG, HESSEN, DER PFALZ, WÜRTTEMBERG UND HAMBURG AUFNAHME. DIE IM GEFOLGE DER FRANZÖSISCHEN REVOLUTION (1789) NACH DEUTSCHLAND GEKOMMENEN EMIGRANTEN HABEN IM VERGLEICH ZU DEN HUGENOTTEN NUR WENIGE SPUREN IM FAMILIENNAMENSCHATZ HINTER-LASSEN. UNTER DEN HEUTE IN DEUTSCHLAND VORKOMMENDEN FAMILIENNAMEN FRANZÖSISCHER HERKUNFT FINDEN SICH FAMILIENNAMEN AUS RUFNAMEN WIE DURAND, GAUTHIER (FRANZÖSISCHE FORM VON WALTHER), GUILLAUME (FRANZÖSISCHE FORM VON WILHELM), JOURDAN, LOUIS, THIERRY (FRANZÖSISCHE FORM VON DIETRICH), HERKUNFTS-NAMEN WIE SAVIGNY (NACH EINEM FRANZÖSISCHEN ORTSNAMEN), WOHNSTÄTTENNAMEN WIE DUBOIS ("VOM WALD"), DUPONT ("VON DER BRÜCKE"), FONTANE ("QUELLE, BRUNNEN"), BERUFSNAMEN WIE LEFÈVRE ("DER SCHMIED"), MARCHAND ("KAUFMANN, HANDELSMANN"), ÜBERNAMEN WIE GAILLARD ("LUSTIG, FRÖHLICH, KECK"), LEBLANC ("DER WEIßE"), LEBRUN ("DER BRAUNE").

DAS VORKOMMEN VON FAMILIENNAMEN ITALIENISCHER, SPANISCHER, PORTUGIESISCHER, GRIECHISCHER UND TÜRKISCHER HERKUNFT HÄNGT VOR ALLEM MIT DEM ZUZUG VON ARBEITNEHMERN AUS DIESEN LÄNDERN IN DER ZWEITEN HÄLFTE DES 20. JH. ZUSAMMEN.

ALLGEMEIN BEKANNTE NAMEN WIE BRENTANO, PESTALOZZI ZEIGEN, DASS ES BEREITS IN DER VERGANGENHEIT GELEGENTLICH ZUWANDERER AUS ITALIEN GEGEBEN HAT. NOCH NICHT GEKLÄRT IST, OB DIE ENDUNG -I BEI ITALIENISCHEN FAMILIENNAMEN AUF DIE LATEINISCHE GENITIVENDUNG ODER AUF DIE ITALIENISCHE PLURALENDUNG ZURÜCKGEHT. FEST STEHT JEDOCH, DASS FAMILIENNAMEN AUF -I IN MITTELITALIEN EINSCHLIEßLICH DER LOMBARDEI UND DER TOSKANA HEIMISCH SIND. DER HÄUFIGSTE ITALIENISCHE FAMILIENNAME, ROSSI ("ROTHAARIG"), VERMAG IN DEUTSCHLAND NUR DEN ZWEITEN PLATZ EINZUNEHMEN. FERRARI ("SCHMIED"), RANG 3 IN ITALIEN, GEHÖRT HIER NICHT ZU DEN 10.000 HÄUFIGSTEN FAMILIENNAMEN. DAGEGEN FINDEN WIR UNTER DEN 10.000 IN DEUTSCHLAND HÄUFIGSTEN FAMILIENNAMEN MEHRERE NAMEN, DIE CHARA-KTERISTISCH FÜR DIE SÜDITALIENISCHE NAMENLANDSCHAFT SIND: RUSSO (RANG 1 IN DEUTSCHLAND, RANG 2 IN ITALIEN), ESPOSITO, ROMANO, MARINO, RIZZO, GRECO, BRUNO U. A.

TYPISCH FÜR DIE IBERISCHE HALBINSEL SIND PATRONYMISCHE FAMILIENNAMEN. SIE WERDEN IN SPANIEN MIT DER ENDUNG -EZ, IN PORTUGAL MIT DER ENDUNG -ES GEBILDET, DIE "SOHN/NACHKOMME DES..." BEDEUTEN: Z. B. RODRÍGUEZ/RODRIGUES, FERNÁNDEZ/FERNANDES, GONZÁLEZ/GONZALES, GÓMEZ/GOMES, LÓPEZ/LOPES. OBWOHL SICH DIE FORSCHUNG SEIT DEM 19. JH. BEMÜHT, DIE SPRACHLICHE HERKUNFT DIESER PATRONYMISCHEN ENDUNG ZU ERMITTELN, STEHT EINE ENDGÜLTIGE KLÄRUNG NOCH AUS.

AUCH DER ZURZEIT HÄUFIGSTE GRIECHISCHE FAMILIENNAME IN DEUTSCHLAND IST EINE PATRONYMISCHE BILDUNG MIT DEM SUFFIX -ÓPOULOS: PAPADOPOULOS ("SOHN EINES PRIESTERS").
UNTER DEN FREMDSPRACHIGEN FAMILIENNAMEN IN DEUTSCHLAND STELLEN DIE TÜRKISCHEN DIE JÜNGSTE GRUPPE DAR. BEI UNGEFÄHR 2,1 MILLIONEN TÜRKINNEN UND TÜRKEN, DIE IN DEUTSCHLAND LEBEN (STAND VON ANFANG DES JAHRES 2000), FINDEN SICH CA. 80 TÜRKISCHE UNTER DEN 10.000 HÄUFIGSTEN FAMILIENNAMEN IN DEUTSCHLAND. DIE MEISTEN DER TÜRKISCHEN FAMILIENNAMEN FALLEN DADURCH AUF, DASS SIE LEICHT VERSTÄNDLICH, SPRACHLICH DURCHSICHTIG SIND. DAS HÄNGT MIT IHREM GERINGEN ALTER ZUSAMMEN: ERST IM JAHR 1934 ERLIEß DIE NOCH JUNGE TÜRKISCHE REPUBLIK EIN GESETZ, DAS JEDEN TÜRKEN VERPFLICHTETE, AUßER SEINEM VORNAMEN EINEN FESTEN FAMILIENNAMEN ZU TRAGEN. ZWAR GAB ES, VOR ALLEM AUF DEM LANDE, ZAHLREICHE TRADITIONELLE BEINAMEN, WIE SIE AUCH BEI UNS ZUR ZEIT DER ENTSTEHUNG DER FAMILIENNAMEN ÜBLICH WAREN, DOCH SIND DIESE NUR IN GERINGEREM AUSMAß IN FAMILIENNAMEN UMGEWANDELT WORDEN. EINIGE ALTE TÜRKISCHE BERUFSNAMEN FINDEN SICH DENNOCH AUCH UNTER DEN 10.000 IN DEUTSCHLAND HÄUFIGSTEN FAMILIENNAMEN: Z. B. AVC("JÄGER"), BALC ("HONIGVERKÄUFER"), DEMIRCI ("SCHMIED"). ES FEHLEN ABER IN DIESER AUFSTELLUNG DIE TRADITIONELLEN PATRONYMISCHEN NAMEN AUF -OGLU ("SOHN DES ..."). DER GRÖßTE TEIL DER TÜRKISCHEN FAMILIENNAMEN IST AUS DEM ALLGEMEINEN WORTSCHATZ GEBILDET, UND ZWAR MIT VORLIEBE VON WÖRTERN, DIE EIN MANNHAFTES WESEN UND KRIEGERISCHE TUGENDEN AUSDRÜCKEN ODER SYMBOLISIEREN, WIE ATES ("FEUER; EIFER"), CELIK ("STAHL"), CETIN ("HART"), COSKUN ("FEURIG, LEBHAFT"), DEMIR ("EISEN"), EROL ("SEI EIN MANN!"), YIGIT ("MUTIG"), KORKMAZ UND YLMAZ, BEIDE MIT DER BEDEUTUNG "DER SICH NICHT FÜRCHTET". DAS TÜRKISCHE NATIONALBEWUSSTSEIN ZUR ZEIT DER GRÜNDUNG DER REPUBLIK SPIEGELT SICH AUCH IN FAMILIENNAMEN WIE TÜRK ("TÜRKE"), ÖZTÜRK ("REINER TÜRKE") ODER IN DEN NAMEN HISTORISCHER ODER MYTHOLOGISCHER HELDEN WIDER: ARSLAN (ALP ARSLAN), CENGIZ (DSCHINGIS KHAN), DEDE (DEDE KORKUT) UND YLDRM (BEINAME VON SULTAN BAYAZID I). ABER AUCH POETISCHE NAMEN WIE AY ("MOND"), AYDN ("LICHT, HELL"), CEYLAN ("GAZELLE"), CICEK ("BLUME"), GÜL ("ROSE"), GÜNES("SONNE") SIND HÄUFIG.

JE LÄNGER FAMILIENNAMEN FREMDSPRACHIGER HERKUNFT IM DEUTSCHEN SPRACHBEREICH EINGEBÜRGERT SIND, UMSO WEITGEHENDER IST AUCH DIE ANPASSUNG AN LAUT- UND SCHRIFTBILD DER DEUTSCHEN SPRACHE VORANGESCHRITTEN. SO SIND SLAWISCHE FAMILIENNAMEN OFT SO WEIT EINGEDEUTSCHT, DASS NUR DER SPRACHWISSENSCHAFTLER IHRE HERKUNFT ERKENNEN KANN. SEHR SCHNELL WERDEN MEIST AKZENTE UND ANDERE DIAKRITISCHE ZEICHEN, DIE DIE DEUTSCHE RECHTSCHREIBUNG NICHT KENNT, FORTGELASSEN, UNBEKANNTE BUCHSTABEN WIE DAS TÜRKISCHE WERDEN IN DIE ÄHNLICHSTEN ZEICHEN, DIE IN DER DEUTSCHEN RECHTSCHREIBUNG VORKOMMEN, IN DIESEM FALL ALSO IN I, UMGEWANDELT. WÄHREND JEDOCH VIELE SLAWISCHE NAMEN SO WEIT VERÄNDERT WURDEN, DASS SIE SICH BEI ERHALT EINER UNGEFÄHR DER AUSGANGSSPRACHE ANGENÄHERTEN AUSSPRACHE GANZ DER DEUTSCHEN RECHTSCHREIBUNG ANPASSEN - Z. B. TSCHERNY ZU TSCHECH. CERNY"SCHWARZ" -, IST DIES BEI FRANZÖSISCHEN, ITALIENISCHEN, SPANISCHEN UND UNGARISCHEN FAMILIENNAHMEN BISHER NUR IN AUSNAHMEFÄLLEN, BEI TÜRKISCHEN WOHL NOCH GAR NICHT DER FALL. ENTSPRECHEND UNTERSCHIEDLICH WURDEN DIE FAMILIENNAMEN FREMDSPRACHIGER HERKUNFT AUCH IN DIESER EINLEITUNG UND IM LEXIKONTEIL WIEDERGEGEBEN.

QUELLE: DAS GROßE LEXIKON DER VOR- UND FAMILIENNAMEN
© 2001 BIBLIOGRAPHISCHES INSTITUT & F.A. BROCKHAUS AG

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